Liniengrundsätze:
- Beim Heranfahren an die Kurve solltet Ihr durch weites Vorausschauen eine möglichst frühe Einschätzung des Kurvenverlaufs anstreben, um das Tempo vor den Kurven entsprechend regulieren zu können. – Rechtskurven fährt man von der Fahrbahnmitte an, Linkskurven vom Fahrbahnrand, wobei natürlich auf ausreichende Seitenabstände etwa zur Mittellinie oder zum meist schmutzigeren Fahrbahnrand zu achten ist. – Euer Blick sollte vom Motorrad aus weit voraus tief in die Kurve pendeln und möglichst früh den Kurvenausgang suchen.
Diese Wahrnehmungstechnik, die Trennung von Fahrt- und Blickrichtung, ist Grundvoraussetzung für gutes Kurvenfahren. Nicht nur für ´ne schöne, gleichmäßige Linie, sondern auch für´s entsprechende Feeling.
Bei meinen Trainings, insbesondere denen am Nürburgring, stelle ich regelmäßig fest, daß viele Trainingsteilnehmer häufig dazu neigen, zu früh in die Kurve einzulenken. Das kann sich am Kurvenausgang bitter rächen. Denn den Fehler, den man am Kurveneingang macht, bekommt man am Kurvenausgang zu spüren. Bei einer Rechtskurve kann man dadurch leicht in den Gegenverkehr geraten. Bei einer Linkskurve entsprechend Grünkontakt bekommen.Wer spät einlenkt, kann die Kurve weiter einsehen und schafft Reserven für den Kurvenausgang. Ich sag immer:“Wenn Du einlenken willst, dann atme vorher noch einmal richtig kräftig aus und lenk dann erst ein“.
Grundprinzip beim Kurvenfahren ist, daß der Kopf den Überblick über die Situation behält, in der man sich befindet. Dabei sollten Infos wie Kurvenverlauf, Fahrtrichtung, Einlenkpunkt weit vorausschauend eingeholt werden. Und dem Hintern sollte man gewissermaßen direkt die Kontrolle über das Motorrad überlassen.
Prof. Dr. Eberspächer nennt dies eine Allianz zwischen Hirn und Hintern. Das heißt, der Popo kontrolliert das Motorrad mit Körpergefühl, der Blick kontrolliert die Umgebung.
Man kann sich nun noch einmal an das zuvor beschriebene umgekehrte Lenkverhalten erinnern.
Das heißt, die kurveninnere Hand bestimmt per Druck am Lenker den Kurvenradius
Mehr Druck – Radius wird kleiner
Weniger Druck – Motorrad richtet sich auf und will geradeaus fahren.
Beim Sicherheitstraining wird in einer stationären Kreisbahn gefahren. Nach einigen Runden rechts und links herum wird jedem Biker auch die „Schokoladenseite“ bewußt , die nahezu jeder hat.
Ein Kreidestrich quer über Vorder- und Hinterradreifen gibt einen groben Aufschluß auf die Schräglagengrenze und offenbart die Schokoladenseite.
Wenn vom Kreidestrich nichts mehr übrig ist, wurde der Reifen bereits nahezu im Grenzbereich gefahren, die Reserven sind gering.
Ist ein Teil des Strichs auf der Reifenflanke noch sichtbar, bietet zumindest der Reifen noch Reserven- vorausgesetzt der Untergrund ist griffig und trocken, der Reifen warm.
Natürlich ist das nur eine grobe Einschätzung. Zur genauen Bestimmung der Schräglagengrenze müßten Reifenbauart, Kontur und Gummimischung, Sitzposition des Fahrers, Fahrzeuggeometrie und der Reibungspartner Fahrbahn berücksichtigt werden.
Damit objektive Sicht (Sicht von außen) und subjektive Sicht (von innen) möglichst deckungsgleich sind und man situationsgerecht handeln kann, müssen beide angeglichen werden.
Und das läßt sich durch die permanente Kreisfahrt, frei von äußeren Störfaktoren, mittels Kreidestrich oder/und Beobachtern (Video?) sehr gut trainieren.
Wichtig: Die Schräglage sollte immer langsam gesteigert werden. Die Reifen brauchen eine gewisse Betriebstemperatur um den notwendigen Grip aufzubauen. Selbst die weicheste Gummimischung hat wenig Haftung, wenn es an Temperatur mangelt.
