Wenn die Basis fehlt

Wenn die Basis fehlt, darf man nie erwarten, daß hochgradig bewußtseinspflichtige Aktionen, wie z,B. das Bremsen funktionieren. Angst essen Seele auf, das ist beim Motorradfahren ganz ähnlich.

Wir haben an der Basis gearbeitet, die Gruppe harmonierte phantastisch, zeigte sich nämlich, daß alle diesbezüglich Defizite hatten, nur eben nicht so bewußt wie Maria. Oder nicht so offen waren wie sie?

Wir förderten die jeweiligen „Per Du“- Beziehungen, indem wir uns zunächst ganz grob die Technik der jeweiligen Motorräder anschauten. Dabei geht`s um einfache Sichtkontrollen, die jeder Biker selbst machen kann und auch sollte. Ganz grob geht`s um Räder, Reifen, Bremsen, Kette Lenkkopf- und Schwingenlager, die per Sichtkontrolle und „Hand anlegen“ gecheckt werden. Dies dient der Sensibilisierung für die Technik ebenso wie dem Wissen um die Folgen eines Defektes.

Das Motorrad wird dabei auch mal über den Seitenständer hochgezogen, damit das Vorderrad in der Luft ist – ich nenn dies immer „In den Arm nehmen“. Wir schoben die Motorräder auch auf eine eher ungewohnte Art, wir liefen drumherum mit jeweils nur einer „Haltehand“ (natürlich ohne daß das Motorrad auf dem Ständer steht). Es gibt noch viele solche Tuchfühlungsübungen, die ich einfach je nach Bedarf meiner jeweiligen Gruppe etwas knapper oder ausführlicher mache.

Bei Maria, die es sehr viel Überwindung kostete, auch Überredungskünste und Anfeuerungen seitens der Gruppe, mal ihr Motorrad mit einem Finger zu halten lösten diese einfachen Übungendie reinste Freude aus. Wir machten noch einige Lockerungsübungen während der Fahrt und anschließend Übungen aus dem Langsamfahrbereich.

Maria blieb nicht bis zum Trainingsende.

Mußte sie auch nicht. Sie hatte ihr persönliches Ziel erreicht. Sie wollte herausfinden, ob sie dem Motorradfahren überhaupt noch Freude abgewinnen kann. Und wissen, warum es bei ihr nicht so gut klappt. Sie hatte nicht an Vollbremsungen, Ausweichmanöver oder Schräglagentraining gedacht, es ging ihr nur um die Basis, ihre Idendifizierung mit dem Motorradfahren:
Sie hatte Tränen in den Augen, als sie ging- vor lauter Freude. Und ich Gänsehaut.

Ihr seht, beim Training geht es nicht nur um die Bewältigung oder zumindest den Versuch der Bewältigung einer Notsituation. Es geht primär um die „obere Hälfte des Motorrads“, sprich uns als Fahrer. Und das Problem ist nach wie vor der Mensch, unsere Motorräder mit ihrer affenscharfen Technik, können in der Regel eh weitaus mehr als wir, ihre Fahrer.

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